Solidaritätserklärung für die Streikenden im ÖPNV

Viele schimpfen und sind wütend, dass ihre U-Bahn oder ihr Bus nicht kommt. Medien fragen, ob das nicht alles zu weit geht mit den Streiks. Die Hamburger Hochbahn AG behauptet, Ihr würdet die Fahrgäste in Geiselhaft nehmen. Das ist die übliche Stimmungsmache, wenn Menschen aufstehen und das einfordern, was ihnen zusteht. Macht Euch keine Sorgen, sehr viele von uns Fahrgästen stehen hinter Euch! 

Über 20 Jahre wurde die soziale Infrastruktur kaputt gespart. Im ÖPNV wurde systematisch Personal abgebaut. Während die Zahl der Fahrgäste um 24% anstieg, sank die der Beschäftigten um 18%. Die Folgen sind wachsender Stress und hohe Belastung, die wiederum zu einem hohen Krankenstand führen. Überstunden sind Alltag. Aber das brauchen wir Euch ja nicht zu erzählen…

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) glaubt sich mit dem Verweis auf die Corona-Pandemie aus der Verantwortung stehlen zu können und setzt auf Konfrontation. Die Botschaft hinter der aggressiven Strategie gegen die Verdi-Forderungen ist eindeutig: Alle abhängig Beschäftigten aus dem Bereich sollen verstehen, dass es nichts zu holen gäbe. Aber das Geld ist da, es muss sich nur erkämpft werden! Das macht Euren Arbeitskampf noch wichtiger.

Die Kolleg*innen in den Krankenhäusern und im öffentlichen Dienst und Ihr bei den ÖPNV habt seit Beginn von Corona gezeigt, dass ohne Euch gar nichts geht. Das Klatschen von den Balkonen mag eine schöne Geste gewesen sein, aber jetzt ist Zeit für wirkliche Veränderung. Die VKA kommt nicht alleine auf die  Idee, irgendwas zu verbessern, ganz im Gegenteil. Es muss erst wehtun, bevor es besser wird. Lasst Euch das Recht auf Streik nicht nehmen, es ist das stärkste Druckmittel, das Ihr habt. Wir sehen uns als Fahrgäste nicht als Eure Geiseln, sondern unterstützen Eure Forderungen!

Wir wissen, dass Euer Kampf auch unserer ist. Ihr zeigt uns, dass wir aufstehen müssen, wenn wir Fortschritt wollen. Auch bei vielen von unseren Jobs wäre es dafür längst an der Zeit. Und wir wissen auch, nur mit besseren Arbeitsbedingungen ist die Verkehrswende möglich, die wir aus sozialen und ökologischen Gründen alle dringend brauchen.

Geschenkt gibt es im Kapitalismus nichts, wir müssen es uns holen. Haltet durch und behaltet Euren Mut. Unsere Solidarität habt Ihr! 

Netzwerk Arbeitskämpfe Hamburg | 15.10.2020

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